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Wallfahrtsgeschichte

Türmchen mit dem Wundertätigen Kreuz

Wenn man das südliche Seitenschiff der Kirche St. Peter und Paul in Kranenburg betritt, entdeckt man links neben dem Altar ein ruinöses Türmchen, das noch immer die Schäden des Zweiten Weltkriegs trägt, und in dem Türmchen: einen schlichten Holzkorpus. Die Füße übereinanderliegend, die Arme, von denen der rechte nur teilweise erhalten ist, weit ausgestreckt, den Kopf leicht nach vorne geneigt – das sogenannte Wundertätige Kreuz von Kranenburg. Wenn wir der Legende glauben dürfen, wird dieses Kreuzbild seit 1308 von Pilgern besucht; ab 1383 ist die Kreuzverehrung in Kranenburg historisch vielfach belegt.

Spätestens 1277 gab es in Kranenburg eine Kirche. Um diese Zeit war der Ort noch sehr klein, mehr ein Dorf als eine Stadt, und seine Bewohner waren vorwiegend in der Landwirtschaft tätig. Der schwere Boden in der Gegend eignete sich vor allem gut für Viehzucht – und so wundert es nicht, dass ein Kranenburger Schafhirten mit der Kreuzlegende verbunden ist.

Im Mittelalter war es nicht üblich, dass die Kirchenbesucher in jeder Messe die heilige Kommunion empfingen. Aber wenigstens einmal im Jahr sollte ein Christ an der Eucharistie teilnehmen. So nahm zu Ostern 1280 auch jener Schafhirte am Abendmahl in der Kranenburger Pfarrkirche teil, von dem wir nur wissen, dass er im Neuenhof wohnte, ungefähr einen Kilometer südöstlich des Städtchens. Nach dem Gottesdienst ging er wieder zu seinen Schafen, die am Rand des Reichswaldes weideten. Weil er die geweihte Hostie nicht herunterschlucken konnte, soll er auf einen Baum geklettert sein und die Kommunion in einer Astgabelung ausgespuckt haben. Bald aber wurde ihm bewusst, dass er auf diese Weise einen Sakramentsfrevel begangen und sich versündigt hatte. Mit großer Reue im Herzen eilte er zum Pastor, von dem er die Hostie empfangen hatte, und beichtete ihm seine Tat. Sie eilten gemeinsam zu dem Baum, um die Hostie zu bergen. Doch hierbei rutschte sie in ein Astloch und fiel in den Baum hinein. Da kletterte der Priester erschüttert vom Baum herab, fiel auf die Knie und betete demütig zu Gott, er möge ihn noch erleben lassen, was er hiermit bezwecke. So der erste Teil der Legende.

28 Jahre später bekam der Priester von den Walddienern im Winter einen Baum als Brennholz zugewiesen, den der Küster abholen sollte. „Und ohne daß jemand davon wusste, fügte Gott, daß ihm der Baum zuteil fiel, in den das heilige Sakrament versunken war“, heißt es in der Legende. Vor Weihnachten verarbeitete der Küster einen Teil des Baumes zu Brennholz, aber ein großer Klotz blieb noch bis kurz vor Ostern am Haus des Pastors liegen. Als der Küster diesen zerkleinern wollte, brach er auseinander und ein Kreuz fiel heraus. Dieses Kreuz wurde in der Kirche aufgestellt. Schon bald kamen viele Pilgern, die von verschiedenen Krankheiten und Leiden geheilt wurden. So berichtet uns die älteste Legende vom Kranenburger Kreuzwunder, die wohl um 1400 aufgezeichnet wurde.

Über die Kranenburger Wallfahrt während des 14. Jahrhunderts weiß man kaum etwas. 1308 war den Besuchern der Kirche ein Ablass versprochen worden – vielleicht um die einsetzende Kreuzverehrung zu fördern. Spätestens 1370 gab es dort einen Kreuzaltar, und seit 1383 wird das Kranenburger Kreuz in den Quellen regelmäßig erwähnt. Ihre größte Blütezeit erreichte die Wallfahrt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Klever Grafen und Herzöge förderten die Kreuzverehrung, und auch Mitglieder des geldrischen Herzogshauses pilgerten nach Kranenburg. Die Gläubigen stifteten der Kirche so viel Geld, dass um 1400 der Bau eines neuen Gotteshauses begonnen werden konnte. Wenige Jahre später holte man einen bedeutenden Baumeister nach Kranenburg, der die Pläne für den großen Kirchenneubau ausarbeitete: Meister Gisbert Schairt aus Zaltbommel, der auch am Xantener Dom und der Stevenskerk in Nimwegen tätig war. In den Jahrzehnten bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts entstand die Kranenburger Kirche so, wie sie heute noch steht. Nur der Turm wurde im Mittelalter nicht mehr vollendet und erhielt erst über 450 Jahre später seine charakteristische Schieferhaube. Man kann sich gut vorstellen, wie das Wallfahrtsleben und der Kirchenbau die Wirtschaft des Städtchens beflügelten: Die Pilger benötigten Unterkünfte und Verpflegung und nahmen wohl gelegentlich auch Andenken aus Kranenburg mit; besonders beliebt waren Pilgerabzeichen, auf denen die Legende von der Auffindung des Kreuzes dargestellt war. Die Baustelle der Kirche lockte hochqualifizierte Handwerker in den Ort und verschaffte auch den alteingesessenen Kranenburgern Arbeitsplätze. Und nicht zuletzt fühlten sich auch die Kanoniker des Zyfflicher Martinsstiftes von der reichen Kirche in der aufstrebenden Stadt angezogen. 1436 verließen sie das Dorf und zogen – unterstützt vom Klever Herzog – nach Kranenburg um.

Aber die Blütezeit war nicht von allzu langer Dauer. Zwar schuf noch 1474 einer der bedeutendsten Glockengießer seiner Zeit, Gerard de Wou, eine große Glocke für die Kranenburger Kirche. Für den Ausbau des Turmes reichten die geringer werdenden Spendengelder aber nicht mehr. Das Städtchen verarmte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch mehrere Stadtbrände und verlor für die Pilger an Attraktivität. Andere Wallfahrtsorte machten dem Kranenburger Kreuz Konkurrenz, beispielsweise Marienbaum bei Xanten, und ganz besonders Kevelaer, das seit einer Marienerscheinung 1639 große Scharen von Gläubigen anzog. Immerhin blieb Kranenburg ein religiöses Zentrum für viele niederländische Katholiken aus der Umgebung von Nimwegen, die es in ihrer stark vom reformierten Glauben geprägten Heimat nicht leicht hatten, ihre Religion auszuüben.

Auch von ihrem neuen Landesherren, dem Kurfürsten von Brandenburg, hatten die Kranenburger keine Förderung der Kreuzwallfahrt zu erwarten. Da das Herrscherhaus der reformierten Konfession angehörte, war man vielmehr um eine Förderung des Protestantismus bemüht. So wurde auch in Kranenburg 1648 eine evangelische Kirchengemeinde gegründet, deren Mitgliederzahl aber klein blieb.

Als die linksrheinischen Gebiete 1794 dem revolutionären Frankreich angegliedert wurden, gestaltete sich die politische Wetterlage nicht gerade kirchenfreundlich. 1802 wurden fast alle Klöster säkularisiert; das Martinsstift hörte nach 800 Jahren auf zu bestehen, und auch der Katharinenkonvent in der Mühlenstraße wurde aufgelöst. Die Bistums- und Pfarrorganisation wurde eng an die staatlichen Strukturen gebunden. Das alte Erzbistum Köln, zu dem Kranenburg gehört hatte, wurde aufgehoben; der für den Niederrhein zuständige Bischof saß nun in Aachen. Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts entspannte sich die Lage aber allmählich, sodass das 500. Jubiläum der Auffindung des Kranenburger Kreuzes 1808 mit einer großen Festwoche gefeiert werden konnte.

Außenansicht der Katholichen Kirche

Mit dem Wiener Kongress 1815 endete für Kranenburg das französische Intermezzo, 1821 wurde der untere Niederrhein dem Bistum Münster zugeordnet. Obwohl es ständig zu Reibereien zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche kam, lebte das Kranenburger Wallfahrtswesen im 19. Jahrhundert wieder auf. Vor allem aus dem niederländischen Raum sind sehr viele Wallfahrten bezeugt. Die Spendengelder der Pilger trugen dazu bei, dass ab etwa 1860 die über lange Zeit vernachlässigte Kirche gründlich renoviert werden konnte. 1908 wurde die 600-Jahrfeier der Kreuzwallfahrt mit großem Aufwand begangen; der Prozessionsweg durch die Stadt war mit Triumphbögen und unzähligen Fahnen und Girlanden geschmückt.

Wenige Jahrzehnte später war das Wallfahrtswesen den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden Prozessionen durch den Ort untersagt. Während die Gemeinde am Kreuzerhöhungssonntag 1944 das Hochamt feierte, erlebte Kranenburg seinen ersten Luftangriff. Wenige Wochen später musste die Bevölkerung den Ort verlassen, das Wundertätige Kreuz wurde nach Kalkar in Sicherheit gebracht, die Kirche sank in Trümmer.

Die Rückkehr des Kreuzes nach Kranenburg Ende August 1945 galt den Menschen als Hoffnungszeichen in einer schweren Zeit. Zum Kreuzerhöhungsfest kam auch der „Löwe von Münster“, Bischof von Galen, an den Niederrhein. Erstmals seit 1938 konnte die Prozession wieder durch den Ort ziehen. Höhepunkte des Wallfahrtslebens waren das Heilige Jahr 1950, in dem das Kranenburger Kreuz durch alle Pfarren des Dekanates Kleve getragen wurde, und die 650-Jahrfeier der Kreuzwallfahrt 1958.

Seit 2003 erinnert dort, wo einst der Baum gestanden haben soll, aus dem das Kreuz heraus fiel, eine Basaltstele an die Legende, der sogenannte Heilig-Kreuz-Stock. Wenn man durch ein rundes Loch im Stein schaut, fällt der Blick auf die Kirche im Ort.

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